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© züritipp (Tages-Anzeiger); 16.2.2001; Seite 53; Nummer 7

Betriebsökonomie

Studium trotz Kindern

Die Fachhochschule Aargau macht Ernst mit der Frauenförderung: Seit Oktober 2000 läuft in Baden der erste Studiengang Betriebsökonomie, der speziell auf die Bedürfnisse von Müttern zugeschnitten ist.

Von Rita Torcasso

Das ist meine dritte Ausbildung», sagt Brigitte Kircali. Die drei- fache Mutter studiert seit letztem Herbst Betriebsökonomie an der Fachhochschule Baden. Möglich sei dies nur, weil sie Saskia, Tim und Nils, die zwischen vier Jahren und neun Monaten alt sind, in der schulinternen Kinderkrippe betreuen lassen könne. Die gelernte Arztgehilfin absolvierte die Erwachsenenmaturitätsschule und arbeitete dann nach einer internen Informatikausbildung bei einer Versicherung - bis zur Geburt des zweiten Kindes. «Mit dem Studium will ich jetzt meine Chancen für eine spätere Teilzeitstelle verbessern», erklärt die 35-Jährige.

Lehrgang für Mütter

Die Idee für ein familienfreundliches Studienangebot hatte Rolf Schaeren, Rektor der Fachhochschule Aargau, nach einer Umfrage bei Frauen. Fast drei Viertel der über 24-Jährigen gaben als Weiterbildungswunsch an, dass sie Betriebs- ökonomie studieren möchten. Der durchschnittliche Frauenanteil an den Fachhochschulen für Wirtschaft beträgt aber nur 25 Prozent. Um diesen Anteil zu erhöhen, entwickelte Schaeren mit Unterstützung des Bundes den Lehrgang «Betriebsökonomie für Mütter».

Kompakte Studienmodule

Das Besondere sind die kompakten Präsenzzeiten: Die Schule wird nur am Donnerstagabend, Freitag und Samstag besucht. «Am Schluss der Ausbildung haben die Absolventinnen jedoch denselben Wissensstand wie jene von andern Schulen», betont Schaeren. Die geringere Präsenzzeit wird durch weniger Ferien und begleitetes Selbststudium wettgemacht.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, doch wenn der einen oder anderen Absolventin die Doppel- oder gar Dreifachbelastung zu viel wird, kann sie bis maximal zwei Semester Pause einlegen. Durch die modulartig aufgebauten Studieneinheiten ist der Wiedereinstieg gesichert. Zurzeit sind 17 Frauen in Baden eingeschrieben. Im Oktober 2001 beginnt ein neuer Lehrgang, die Aufnahmeprüfung dafür findet im Mai statt. Prüfungsfrei können jene Frauen beginnen, die eine Berufsmatura oder eine Matura und ein Praxisjahr abgeschlossen haben, Bedingung für alle ist jedoch der Nachweis familiärer Pflichten.

«Beruhigend ist, dass hier alle im gleichen Boot sitzen und man mit Verständnis rechnen kann, wenn zum Beispiel ein Kind krank ist», sagt Brigitte Kircali. Während der Schule verbringen ihre drei Kinder jeweils den Freitag in der Krippe, während der übrigen Präsenzzeit werden sie vom Vater betreut. «Natürlich muss ich jetzt jede Minute planen, und auch am Sonntag brauche ich freie Zeit, um zu lernen», sagt die angehende Betriebsökonomin FH. Doch der Einsatz lohne sich, lautet ihr Fazit nach dem ersten Semester.

Infos: Fachhochschule Aargau Tel. 056/203 10 50; Fax 056/203 10 51 www.fh-aargau.ch; Mail: w-info@fh-aargau

Aufnahmeprüfung: 3.-5. Mai, Anmeldeschluss: 31. März


© züritipp (Tages-Anzeiger); 16.2.2001; Seite 53; Nummer 7