Krippen-Notstand in der Schweiz
Andrea Hubacher ahubacher@bluewin.ch
Einleitung
Verzweifelt gesucht: Eine Krippe für das
Kind (Kassensturz-Sendung vom 19.12.2000)
FDP für Krippenplätze in allen Gemeinden
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Einleitung
Ueber 60% aller Mütter in der Schweiz bleiben nach dem ersten Kind berufstätig. Mit Betreuungsplätzen für Kinder berufstätiger Eltern liegt in der Schweiz vieles im Argen. Tagesmüttervereine weisen Eltern ab, weil zu wenige Tagesmütter vorhanden seien. Kinderkrippen weisen Eltern ab, weil die Krippen voll sind und lange Wartelisten vorhanden sind.
Kommt das Kind in den Kindergarten oder in die Schule, beginnt das Problem von vorne. Das Kind ist nun zu gross für die Krippe, es beginnt die Suche nach Mittagstisch oder Tageshort, wo der Mangel an Angeboten genauso katastrophal ist.
Ist erfolgreich ein Betreuungsplatz gefunden, hört das Uebel aber noch lange nicht auf. Nun wird man vom Schweizerischen Staat bestraft: die Kosten für die Kinderbetreuung können von den Steuern nicht als Berufsauslagen abgezogen werden. Zu beachten ist dass die Betreuungskosten sehr hoch sein können, bis Fr. 2000.- im Monat, wenn das Kind jeden Tag in die Krippe geht. Betroffene fühlen sich, wie wenn es dem Schweizerischen Staat lieber wäre, wenn die Leute von der Sozialhilfe leben, als wenn sie finanziell auf eigenen Beinen stehen.
Zum Thema fehlender Kinderbetreuungsplätze wie Kinderkrippen gab
es in den Medien in letzter Zeit verschiedene Berichte. Erfraulicherweise
einmal zum Thema Kinder, wo man schon fast den Eindruck hat, die einzigen
sozialen Themen in der Schweiz sind entweder AHV oder Krankenkassen. Nachstehend
sind einige dieser Berichte aufgeführt.
SF DRS Kassensturz-Sendung vom 19.12.2000 (Wiederholung: Samstag 23.12.2000
SF2 10:20 und SF1 13:30)
© Copyright beim SF DRS www.kassensturz.ch
Originalquelle des Kassensturz-Dokumentes im Netz: http://www.sfdrs.ch/sendungen/kassensturz/php-d/index.php3?page=story.php3?beitragid=58
Auf der Originalseite des SF DRS kann man zusätzlich das Video
zur Sendung online sehen, an einer Umfrage teilnehmen und die eigene
Meinung zur Sendung beitragen.
Verzweifelt
gesucht:
Eine Krippe für
das Kind
Auch 2000 Jahre nach Christi Geburt suchen Tausende von Eltern vergeblich eine Krippe für ihr Kind. Oft jahrlang. Doch Politiker, Behörden und die Wirtschaft lassen erwerbstätige Mütter im Stich. Allen Sonntagreden über die Bedeutung der Familie zum Trotz. Jetzt allerdings denken manche Firmenchefs um. Nicht ganz freiwillig.
Die Winterthurer Hebammen-Ausbildnerin Mona Schwager wartet seit zwei Jahren auf einen Krippenplatz für ihre kleine Tochter: „Unsere politischen Vertreterinnen und Vertreter haben immer noch das alte Familienbild. Sie ordnen Frauen mit kleinen Kindern den Platz daheim am Herd zu. Und das entspricht nicht mehr der Realität.“ Denn über 60 Prozent der Frauen bleiben heute nach der Geburt ihres Kindes im Erwerbsleben. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen wird deshalb immer grösser. Gleichzeitig verhindern Sparmassnahmen der Politik den dringend nötigen Ausbau des Angebots.
Aber auch die Wirtschaft hinkt der gesellschaftlichen Entwicklung hinterher. Eine Kassensturz-Umfrage bei 45 Grossfirmen hat ergeben, dass nur gerade die Hälfte ihre Angestellten bei der Fremdbetreuung der Kinder unterstützt. Zu den schwarzen Schafen gehört die Swatch Group. Obwohl für Swatch 9600 Frauen arbeiten, fehlt eine Kinderkrippe. Der vermeintlich fortschrittliche Unternehmer Nicolas Hayek findet nicht einmal Zeit, sich gegenüber Kassensturz zum Thema zu äussern.
Keine Freude an solchen Firmen hat
der Arbeitgeberverband. Sein Direktor, Peter Hasler, ruft zur Gründung
von Krippen auf: „Familie und Beruf müssen miteinander vereinbar sein.
Dazu braucht es mehr Kinderkrippen.“ Ganz neue Töne von einem Verband,
der sich gegen die Mutterschaftsversicherung ausgesprochen hat. Hinter
dieser Wandlung stecken vor allem wirtschaftliche Überlegungen: Der
Arbeitsmarkt ist ausgetrocknet, die fehlenden Arbeitskräfte hemmen
das Wirtschaftswachstum. Die Arbeitgeber sind zum Handeln gezwungen – da
haben Mütter plötzlich Hochkonjunktur.
FDP
für Krippenplätze in allen Gemeinden
Zürich: In einem gestern eingereichten Postulat fordern Franziska Troesch-Schnyder (FDP Zollikon), Beat Wälti (FDP Erlenbach) und Brigitta Joner (FDP Urdorf) Rechtsgrundlagen für die Errichtung einer bedarfsgerechten Anzahl von Krippenplätzen in allen Gemeinden. Insbesondere seien Vorschriften aufzuheben, welche private Initiative unnötig behinderten. Wie es in der Begründung heisst, helfe ein ausrechendes Angebot an Krippenplätzen nicht nur den betroffenen Eltern, sondern liege auch im Interesse von Geelllschaft und Wirtschaft. Immer mehr junge Familien seien auf zwei Erwerbseinkommen angewiesen. Ausserdem sei es ein gesellschaftspolitischer Unsinn, wenn gut qualifizierte Elternteile mangels Betreuungsangebots für ihre Kinder faktisch vom Erwerbsleben ausgeschlossen würden. (flo) Quelle: Zürichsee-Zeitungen Dienstag 19. Dezember 2000
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